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Naruto TCG: Asmodee wird EU-Distributor

K
Kenearos
2. August 2026 · 5 Min. Lesezeit
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Bildquelle: naruto-tcg-news.de

Ohne Trailer und mitten im Gen-Con-Trubel hat Asmodee den Vertrieb des NARUTO CARD GAME im Europaeischen Wirtschaftsraum uebernommen. Warum ein Distributionsdeal fuer die Verfuegbarkeit in Deutschland mehr bedeutet als jedes Reveal-Video.

In Indianapolis laufen noch die letzten Tutorial-Runden, und währenddessen geht die für uns in Europa vielleicht wichtigste NCG-Meldung der Woche komplett ohne Trailer und Hype-Video raus: Asmodee übernimmt den Vertrieb des NARUTO CARD GAME im Europäischen Wirtschaftsraum. Verkündet am 30. Juli, mitten im Gen-Con-Trubel, als nüchterne Unternehmensmeldung.

Klingt nach Logistik-Kleinkram. Ist es aber nicht.

Die Frage, die mir seit dem Announcement im Juni am häufigsten gestellt wird, lautet nämlich nicht „wie funktionieren die Chakra-Karten“. Sie lautet: „komm ich das Zeug hier überhaupt jemals kaufen?“ Genau darauf ist das hier die Antwort.

Wer da eigentlich unterschrieben hat

Asmodee ist kein Zufallspartner. Der Konzern verteilt in Europa bereits das One Piece Card Game, das Dragon Ball Super Card Game, das Digimon Card Game und das Gundam Card Game, also praktisch die komplette Bandai-TCG-Familie. Das NCG reiht sich da einfach ein. Die offizielle Formulierung spricht von einer langjährigen Beziehung zwischen beiden Häusern, was in Pressemitteilungs-Sprache heißt: Hier musste niemand neu verhandeln, hier wurde ein bestehender Vertrag erweitert.

Marjolein Lubberman, Chief Commercial Officer bei Asmodee, wird mit einem Satz zitiert, der genau so viel sagt, wie er sagen soll:

„We’re proud to add the NARUTO CARD GAME to our portfolio of games published by our fantastic partners.“

Ja. Danke. Sehr aufschlussreich.

Spannender ist das Kleingedruckte drumherum. Vertrieben wird an hobby retailers, specialty retailers und mass market retailers, und bei dieser dritten Kategorie werde ich hellhörig. „Mass market“ heißt nicht Kartenladen um die Ecke, das heißt Elektromärkte, Drogerieketten, große Spielwarenhändler, potenziell Supermarkt-Regal. Bandai zielt hier nicht auf die paar hundert Leute, die in Deutschland kompetitiv One Piece spielen. Die wollen Breite.

Warum ein Distributionsdeal mehr verrät als jeder Trailer

Ich spiele seit den Neunzigern Magic und hab in der Zeit genug Spiele kommen und sterben sehen, um eine These zu haben: Ein TCG entscheidet sich nicht am Regelwerk. Es entscheidet sich daran, ob die Ware im richtigen Moment im Laden liegt.

Das beste Deckbau-System der Welt nützt dir nichts, wenn dein lokaler Händler dir sagt, seine Zuteilung sei bei vier Displays gedeckelt und die seien seit drei Wochen vorbestellt. Wer One Piece in Deutschland verfolgt hat, kennt das Muster, und es ist nicht bloß Gefühl. Der offizielle englischsprachige One-Piece-Account musste schon öffentlich durchgeben, dass sich Lieferungen nach Europa verzögern und sich für Läden, die über Asmodee UK bestellt hatten, Release-Termine verschieben. Sowas passiert. Bei jedem Distributor. Aber es zeigt, wo die echten Bruchstellen liegen: nicht bei den Karten, bei den Paletten.

Der Unterschied diesmal? Zeit. Der weltweite Release ist für Sommer 2027 angesetzt, und Asmodee sitzt jetzt, knapp ein Jahr vorher, mit einem unterschriebenen Vertrag da. Meine Theorie dazu: Bandai hat die holprigen Starts der Schwestertitel sehr genau ausgewertet und will sie nicht wiederholen. Nachfrage bedient man nicht mit einer Entschuldigung auf X.

Ein Detail, das nicht ganz zur Meldung passt

Jetzt wird’s etwas nerdig, aber bleibt kurz dran. Auf der offiziellen NCG-Händlerseite steht eine Liste europäischer Distributoren, und die sieht anders aus als „Asmodee macht Europa“. Genannt werden dort neben Asmodee Nordics, Asmodee The Netherlands und Asmodee UK auch ADC Blackfire Entertainment GmbH, Gametrade Distribuzione und TCG Factory.

Blackfire ist der deutsche Name in dieser Aufzählung. Eine eigene deutsche Asmodee-Zeile taucht dort (Stand jetzt) nicht auf, obwohl es Asmodee Deutschland in Essen selbstverständlich gibt.

Was das heißt? Ich weiß es nicht sicher, und ich will hier nichts hinkonstruieren. Zwei Lesarten sind plausibel. Entweder ist die Händlerseite schlicht noch nicht auf den Stand vom 30. Juli gebracht, was bei einer Liste, die für mehrere Bandai-Titel gilt, das Naheliegendste wäre. Oder der EWR-Deal beschreibt eine Dachvereinbarung, unter der regional weiterhin verschiedene Partner ausliefern. Beides wäre unspektakulär. Ich notier’s trotzdem, weil genau solche Zeilen später darüber entscheiden, wie schnell dein Händler an Nachschub kommt, und weil ich lieber eine offene Frage stehen lasse als eine glatte Antwort erfinde.

Was ihr davon konkret habt

Das Wichtigste für den deutschsprachigen Raum zuerst: Das NCG kommt regulär in den europäischen Handel. Kein Import-Gefrickel, keine Japan-Proxy-Bestellung, keine Zoll-Überraschung. Wer sich schon auf Umwege eingestellt hatte, kann das abhaken.

Preislich wird’s vermutlich unaufgeregt. Bandai-TCGs über Asmodee landen in Europa üblicherweise in der Größenordnung, die man von One Piece kennt, ein Booster-Display bewegt sich da grob im Bereich von 90 bis 110 Euro, je nach Set und Händler. Belastbare NCG-Preise gibt es noch nicht, das ist eine Erwartung und keine Ankündigung. Aber eine begründete.

Und dann der Punkt, den ich am interessantesten finde. Mit „mass market“ im Vertriebsauftrag wird das Ding auch für Leute sichtbar, die nie ein TCG gespielt haben. Ein Naruto-Display neben der Kasse bei einer großen Kette erreicht ein Publikum, das kein Kartenladen der Welt erreicht. Das ist die eigentliche Ansage in dieser Meldung.

Ob das gut ausgeht, steht auf einem anderen Blatt. Breite Verfügbarkeit im Massenmarkt heißt auch: Scalper mit Einkaufswagen, leergeräumte Regale am Erscheinungstag, ein Sekundärmarkt, der drei Wochen lang verrückt spielt. Ich hab das bei genug Releases gesehen, um da nicht sofort in Jubel auszubrechen.

Mal ehrlich: Ein Spiel, das man kaufen kann, ist mir trotzdem deutlich lieber als eins, dem man hinterherjagt. Kakashi hätte an dieser Stelle vermutlich irgendwas Lakonisches über Vorbereitung gesagt. Ich sag einfach: gutes Zeichen.

Wie seht ihr das, freut ihr euch auf breite Verfügbarkeit, oder wär euch ein enger Hobby-Kanal mit funktionierender Zuteilung lieber gewesen? Schreibt’s in die Kommentare, ich bin gespannt, ob ich mit meiner Massenmarkt-Skepsis alleine dastehe.

Quellen

Asmodee Corporate — NARUTO CARD GAME, the new card game by Bandai, to be distributed by asmodee (30.07.2026)
NARUTO CARD GAME Official Website — For Retailers
PR Newswire — NARUTO CARD GAME Shows Its Hand (29.07.2026)

K

Kenearos

Betreibt naruto-tcg-news.de und verfolgt das NARUTO CARD GAME seit der ersten Ankündigung.